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Horizonte erweitern: Schule, Landwirtschaft, Ökologie

Uganda-Delegation zu Besuch (3): Bildung ist in jeder Form "das" Thema
Horizonte erweitern: Schule, Landwirtschaft, Ökologie
Spontane Landwirtschafts-Hilfe: Dolly

Horizonterweiterung? Dazu zählt so ziemlich alles, wenn ein Mensch aus Uganda zum allerersten Mal Europa, Deutschland, Ostfriesland besucht. Aber die Delegation aus Uganda, die zweieinhalb Wochen im Lande weilte, brachte diesmal ein ganz besonderes Bildungs-Interesse mit: Sechs der zehn Delegationsmitglieder arbeiten als Lehrerin oder Lehrer, fünf leiten sogar eine Schule. Da steht das Thema „Bildung“ obenan!

Ganz unterschiedliche Schultypen waren vertreten. Höchste Bildung verspricht die „Kampala Diplomatic School International“. Das Ehepaar Venturina und Johnso Nyeko, Mit-Initiatoren der Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Norden, hat diese Privatschule gegründet. Beide stellten die Einrichtung jetzt bei einer Veranstaltung in der Aula des Ulrichsgymnasiums vor. Vom Kindergarten bis zum Abitur reicht die Altersspanne. Dem Unterricht liegt das „Cambridge International British Curriculum“ zugrunde, so dass die Kinder und Jugendlichen nicht nur in Uganda, sondern auch im internationalen Wettbewerb bestehen können. Besonderer Schwerpunkt sind moderne Sprachen: Neben Französisch, Arabisch und Chinesisch wird gerne Deutsch unterrichtet. Und das nicht nur für Kinder aus gutbetuchten Elternhäusern: Etwa 25 % der Schülerinnen und Schüler werden von den Nyekos gesponsert, teils, weil sie besonders ausgezeichnete Leistungen erbringen, teils, weil ihre Eltern die Schulgebühren nicht aufbringen könnten. Auch religiöse Unterschiede spielen für die beiden überzeugten Christen keine Rolle: „Alle Menschen sind Gottes Kinder“, betonte Venturina in ihrem Vortrag. Dass Christen und Muslime gut miteinander auskommen, ist ein erklärtes Lernziel.

Soziale Belange standen auch im Zentrum einer weiteren Veranstaltung: Nachdem die staunenden Gäste schon am Nachmittag, eingeführt von Schulleiter Volker Cammans, die vielfältigen Arbeitsbereiche der Conerus-Schule erlebt hatten, stellte Schulleiter Everest Okwanga hier am Abend die kirchliche Berufsschule von Gulu vor. Dabei zeigte sich das besondere Engagement für Schulabbrecher und Benachteiligte, und das Gespräch mit Schulleitung und Sozialarbeiterin der Norder BBS ließ manche Parallelen erkennen. Dolly Oryem präsentierte bei derselben Veranstaltung besonders die soziale Arbeit ihrer kirchlichen Grundschule, unter deren 800 Kindern auch ca. 25 Blinde und weitere 25 Behinderte sind. Inklusion ist für die engagierte Schulleiterin angesichts der weit verbreiteten Armut eine besondere Herausforderung.

Umso mehr freute sie sich, mit der Delegation die Förderschule in Moordorf besuchen zu können. Jan Kröger, Mitglied im Freundeskreis Uganda und als Lehrer in Moordorf beschäftigt, hatte den Kontakt vermittelt. Schwer beeindruckt zeigten sich die Gäste, wie man sich hier um die Kinder kümmert: In Uganda würden Behinderte allgemein als „useless“ (unnütz) betrachtet – die Erfahrung in Moordorf unterstütze sie in ihrer Einstellung, so Dolly Oryem, dass eine menschenfreundliche Haltung endlich von breiten Teilen der Gesellschaft übernommen werden müsse.

Ähnlich begeistert zeigte sich die ugandische Delegation von ihrem Besuch in der evangelischen Kindertagesstätte „Am Kap“ auf Norderney. Das „offene Konzept“ fördere ja geradezu Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung, an denen es in der Heimat so häufig nicht nur den Kindern fehle. Die Gäste freuten sich über eine spielerische Andacht, die von Pastorin Verena Bernhardt kindgemäß gestaltet und von Erzieherinnen und Kindern mit der biblischen Zachäus-Geschichte illustriert wurde. Sehr genau beobachteten die Ugander, dass schon kleine Kinder kräftig das Vaterunser miteinander beten.

Ganz andere Perspektiven eröffneten sich den Gästen beim Besuch des Bioland-Hofs Agena in Schoonorth: Betriebsleiter Heiko Dreyer führte sie über Felder und durch Gewächshäuser, erklärte Maschinen und Handarbeit. Ein Besuch, der inspirierte: An der Berufsschule Gulu soll demnächst Gemüse angebaut werden, und ein Delegationsmitglied strebt gar einen Vertrag über ugandische Ananas-Lieferungen aus ökologischem Anbau an.

Warum erfolgreiche Landwirtschaft jenseits extensiver Familienwirtschaft und fragwürdiger Agrarindustrie gelingen sollte, machte auch der gemeinsame Besuch im Klimahaus Bremerhaven deutlich. Fasziniert von der Schönheit der Schöpfung und der klimatischen Vielfalt unsrer Erde, fasste Gladys Oyat stellvertretend ihre Eindrücke zusammen: „Ich habe begriffen, dass wir wirklich von einer Klimakatastrophe bedroht sind. Diesen Impuls geben wir weiter an die Kirche in Uganda."

Der Partnerschaftsbesuch wurde gefördert durch den Fonds "Frieden stiften" der Hannoverschen Landeskirche, die Bürgerstiftung Norden und die Gossner Mission sowie eine Reihe namhafter Einzelspenden.

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