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"Weltflüchtlingstag" in der Dokumentationsstätte

Tidofeld bietet „Erfahrungen im Flüchtlingslager" Raum - nach 1945 und in Uganda
"Weltflüchtlingstag" in der Dokumentationsstätte
Ugandischer Besuch in Tidofeld

Norden-Tidofeld, 18. Juni `18 - Rund um den "Weltflüchtlingstag" am 20. Juni richtet die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld zwei öffentliche Veranstaltungen aus.  Bereits am Montag besuchte eine 8-köpfige Delegation aus Uganda gemeinsam mit Mitgliedern des Freundeskreises Uganda im Kirchenkreis Norden die Dokumentationsstätte. Superintendent und 1. Vorsitzender des Vereins Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld, Dr. Helmut Kirschstein, begrüßte gemeinsam mit dem Pädagogischen Leiter, Lennart Bohne, die Gäste. Bei einem Gang durch die Ausstellung fand ein wechselseitiger Austausch zu den Themen Flucht, Vertreibung und Integration statt, der in den Rahmen der deutschen und europäischen Geschichte eingebettet war. Die Gäste aus Uganda zeigten sich von dem deutschen Umgang mit der eigenen Geschichte und der daraus erwachsenden Erinnerungskultur beeindruckt. 

Am Abend hielt der Wissenschaftliche Leiter der Dokumentationsstätte, Prof. Dr. Bernhard Parisius, einen Vortrag über die Rolle des Flüchtlingslagers Tidofeld für die Integration der deutschen Heimatvertriebenen in die hiesige Gesellschaft. Parisius hob die gemeinschaftsbildenden Aspekten hervor, die in Tidofeld zum Tragen kamen und veranschaulichte dies mit Hilfe vieler von ihm geführter Zeitzeugeninterviews.

Positive Aspekte des Lagerlebens bleiben indes die Ausnahme und können so leider nicht aus Uganda berichtet werden. Reverend Patrick Lumumba, Generalsekretär („Diocesan Secretary“) der Diözese Gulu, gab dem Publikum konkrete Einblicke aus dem Alltag im Flüchtlingslager Pagirinya, das im Norden Ugandas liegt: In Pagirinya sind etwa 36.000 Menschen untergebracht. Neben der Sicherstellung elementarer Grundbedürfnisse wie Nahrung und Kleidung mangelt es vor Ort insbesondere beim Zugang zu Bildungsmaßnahmen. Darüber hinaus schwelen im Lager althergebrachte, importierte Konflikte von Menschen und Stämmen, die aus dem Süd-Sudan vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Erfreut berichteten die ugandischen Gäste aber davon, wie die mit Hilfe des Norder Freundeskreises durch die Gossner Mission organisierte Unterstützung in Höhe von knapp 50.000 Euro bei den Menschen ankam. Zahlreiche Fotos ließen die Überbringung lebendig werden.

Der im Anschluss entstandene Erfahrungsaustausch ist noch nicht beendet. Am kommenden Mittwoch, den 27. Juni, lädt die Dokumentationsstätte zur weiteren Begegnung ein. Ab 19:30 Uhr werden in moderierten Erzählwerkstätten Menschen aufeinandertreffen, die aus den verschiedensten Gründen ihre Heimat verlassen mussten. So sind neben Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten und dem östlichen Europa erneut ugandische Zeitzeugen vor Ort, die dem Terror der „Lord`s Resistance Army“ (LRA) ausgesetzt waren und aus ihren Lebensgeschichten berichten. Neben der interessierten Öffentlichkeit sind auch in Deutschland angekommene Migranten der letzten Flüchtlingswelle dazu eingeladen. So hoffen die Veranstalter auch auf Beteiligung von Menschen aus Syrien, Eritrea oder Vietnam.

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