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"Glaubensbote" geht - zwischen Lachen und Weinen

Emotionaler Festgottesdienst zur Verabschiedung von Pastor Eskil Wohlberg
"Glaubensbote" geht - zwischen Lachen und Weinen
Herzlich und emotional: Lebewohl!

Marienhafe, 25. August `19 - „Mir ist zum Heulen...“ Überwältigt vom großen Zuspruch, den der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung fand, zeigte sich Pastor Eskil Wohlberg schon zur Begrüßung. Und ließ seinen ehrlichen Gefühlen freien Lauf. Zwischen Lachen und Weinen ging es feierlich zu. Alle Kolleginnen und Kollegen waren gekommen, ließen die eigene Kirche an diesem Sonntag geschlossen und versammelten sich mit ihren Gemeindegliedern zum Zentralgottesdienst für das Brookmerland in der Marienhafer Marienkirche. Der stark aufgestellte Posaunenchor signalisierte schon mit den ersten Klängen einen Festgottesdienst, und Okko Grensemann an der Gerhard-von-Holy-Orgel brillierte zur Verabschiedung des beliebten Geistlichen. Der sagte nach 28 Jahren und 8 Monaten Lebewohl.

Eskil Wohlberg hatte die gesamte Palette emotionaler Rhetorik parat. Seine Predigt, die in vielen Passagen wie ein theologisches Vermächtnis klang, changierte zwischen Seufzen, Augenzwinkern und klar orientierender Ansage. Als Grundlage diente ihm „der“ Bibelvers seiner Familie, der die Wohlbergs seit Konfirmation seines Bruders in Südafrika begleitet habe: „Es sollen wohl Berge (!) weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“ (Jesaja 54, 10) Das gelte natürlich nicht nur, wenn ein Wohl-berg nun buchstäblich weiche. Das Gotteswort erinnere uns alle an unsere Vergänglichkeit und Ersetzbarkeit und mahne zur Demut. Er wünsche sich, dass nicht zuletzt mancher Präsident und „alte Mann“ in der Politik darauf höre. Über alle Hinfälligkeit des Menschen halte Gottes Gnade uns im Leben und im Sterben. Diese gütige Zuwendung habe er in seinem langjährigen Wirken gerade in den alltäglichen Begegnungen gespürt.

Diesen Gedanken nahm Superintendent Dr. Helmut Kirschstein in seiner Rede zur Verabschiedung auf. Er erinnerte an die Herzensanliegen des scheidenden Pastors, der als engagierter Seelsorger über alle Events hinaus an die „vielen tollen Menschen“ und „wunderbaren Mitarbeiter“ zurückdenke. Wohlberg habe sich erfolgreich für ein „evangelisches Miteinander“ eingesetzt. Am Tag des Gregor von Utrecht (+ 775), der im Evangelischen Namenkalender als „Glaubensbote in Friesland“ geführt werde, würdigte der Superintendent Eskil Wohlberg als „Glaubensbote in Marienhafe“ und dankte dem Geistlichen im Namen der versammelten Gemeinde, des Kirchenkreises Norden und der Hannoverschen Landeskirche. Der Entpflichtung per Handschlag folgte die feierliche Segenshandlung, mit der der Superintendent, alle anwesenden Geistlichen und der gesamte Kirchenvorstand den Pastor in den Ruhestand verabschiedeten. Dr. Kirschstein überreichte ihm eine „Norder Fliesenbibel“ in der fröhlichen Erwartung, dass Wohlberg jetzt Zeit und Muße habe, sich mit den 600 biblischen Motiven im Miniaturformat zu beschäftigen.

Eine außergewöhnliche Abendmahlsfeier an drei Tischen beschloss den festlichen Gottesdienst in der voll besetzten Kirche. Das hatte sich Pastor Eskil Wohlberg zusammen mit Texten, Liedern und Posaunenmusik persönlich gewünscht. Besonders dürfte er sich über den musikalischen Beitrag seiner Tochter und seiner Ehefrau gefreut haben, die mit Violine und Kontrabass zum festlichen Programm beitrugen. Im Anschluss feierte die große Gemeinde bis weit in den Nachmittag hinein ein Gemeindefest, bei dem sich die Möglichkeit zu würdigenden Grußworten und zum ganz persönlichen Abschied ergab. Auch dabei wird noch manche heimliche Träne geflossen sein.

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