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"Mehr Glut als Asche": Geistliche Leitung für morgen

Klausurtagung: Kirchenkreisvorstand widmet sich seiner Leitungs-Verantwortung
"Mehr Glut als Asche": Geistliche Leitung für morgen
Unterwegs im Labyrinth...

Papenburg, 19. November `17 - "Welche Perspektiven haben wir für die kirchliche Zukunft -  und wie werden wir unsrer geistlichen Verantwortung gerecht, wenn wir den Kirchenkreis in diese Zukunft leiten?" Schwerwiegend war die Aufgabenstellung, der sich das Leitungsgremium des Kirchenkreises bei seiner Klausurtagung in Papenburg stellte. Zum zweiten Mal in dieser Legislaturperiode zog sich der KKV 24 Stunden zurück, um jenseits des Tagesgeschäfts Grundsätzliches zu bedenken. Unter der Leitung des ehemaligen Norddeicher Pastors Philipp Elhaus, seit Jahren Leitender Referent für Missionarische Dienste im HkD Hannover, tagte das Gremium in der Historisch-ökologischen Bildungsstätte.

Basis des Zusammenseins bildete ein Bibeltext, dessen Kernaussagen in einem "Labyrinth" abgegangen werden konnten. Persönliche Statements verankerten das eigene Leitungs-Engagement im Raum der Bibel: Zuspruch und Anspruch für verantwortliches Handeln. Wo denken wir Kirche "durch die Decke", lautete dann eine der provozierenden Einstiegs-Fragen. Ein Teilnehmer formulierte ebenso provozierend zurück: Die "Verwaltung der Asche" sei weniger gefährlich als das "Schüren der Glut" - er wünsche sich für die evangelische Kirche allerdings Letzteres...

Grundlage allgemeiner kirchlicher Herausforderungen bildeten Auszüge aus dem aktuellen Verfassungsentwurf der Hannoverschen Landeskirche, dem sich die Vorstandsmitglieder in kleinen "Workshops" widmeten. Schwerpunkte bildeten Artikel 2 ("Gleichberechtigte Teilhabe aller Glaubenden"), Artikel 4 ("Beziehungen zu anderen Kirchen und Religionen") sowie Artikel 5 ("Kirche, Staat und Gesellschaft"). So fand sich der KKV zwischen oberer (Landeskirche) und unterer Ebene (Kirchengemeinden) auf der mittleren Ebene des Kirchenkreises herausgefordert, das Vorgegebene zu diskutieren und eigene Antworten zu finden. Intensiv wurde diskutiert - und das auf einem hohen theologischen Niveau. Die teils auch kontroverse Debatte machte sich am Missionsverständnis fest: Was bedeutet es, wenn - selbstverständlich - allen Menschen auf Augenhöhe begegnet wird und ihre Einstellung zu achten ist, das eigene christliche Engagement aber immer im Sinne einer "einladenden Kirche" (Artikel 10) zu verstehen ist? "Alle Menschen sind eingeladen, das Evangelium zu hören, am kirchlichen Leben teilzunehmen und christliche Gemeinschaft zu erfahren" - wer lädt konkret ein, wie geschieht das angemessen, und darf irgendjemand aufgrund seines bisherigen (religiösen, konfessionellen, philosophischen) Standpunkts von dieser Einladung ausgeschlossen werden?

Ein besonderes Augenmerk richtete sich dann auf eine Öffnung des Kirchenverständnisses, das über die "klassischen" Kirchengemeinden hinaus sog. "Gemeinden auf Zeit" in den Blick nahm und punktuelle Begegnungsmöglichkeiten mit Kirche, Christsein und Evangelium in den Blick nahm. Wie vielfältig muss die Kirche der Zukunft sein, um der vielfältigen Individualität unterschiedlichster Lebenswege gerecht zu werden? So oder so wird es in Zukunft dringlich sein, angemessene "Räume zur Verfügung zu stellen, in denen Menschen die Kraft des Evangeliums erfahren können" (Elhaus).

Eingebettet waren Diskussionen, offene Fragen und versuchte Antworten in persönlich berührende Andachten und eine letzte Rückkehr ins Labyrinth des Bibeltextes. So eröffnete sich eine geistliche Besinnung auf den gemeinsamen Leitungs-Auftrag, "auf unser Herkommen und auf unsre Freiheit für Manches, was wir jetzt noch gar nicht denken können", wie einer der Teilnehmenden am Ende formulierte. Dass der gemeinsam erfahrene "Geist" durchaus auch den "Team-Geist" des kirchenleitenden Gremiums stärkte, nahmen die KKV-Mitglieder dankbar zur Kenntnis. Und schließlich war es doch deutlich mehr "Glut" als "Asche", die alle Teilnehmenden zum Handeln herausforderte...

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