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Kreative Kirche in Zeiten der Corona-Krise

Superintendent in Video-Konferenzen mit allen Pfarrämtern - Umfangreiches "digitales" wie "analoges" Engagement - Beziehungspflege wird neu aufgestellt
Kreative Kirche in Zeiten der Corona-Krise
Neue Wege der Kommunikation

Norden, 28. März `20 - Kirche in Zeiten von Corona: In allen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden des Kirchenkreises Norden entwickeln sich neue, kreative Formen der Kommunikation. Das konnte Superintendent Dr. Helmut Kirschstein in dieser Woche bei seinen Video- und Telefonkonferenzen feststellen. Mit jedem Einzelnen der rund 25 Pastoren und Diakone, der Pastorinnen und Diakoninnen führte er Gespräche zur Situation vor Ort. Sein Fazit: Es ist erstaunlich, was sich die Geistlichen und ihre Gemeinden einfallen lassen, um das christliche Miteinander in Zeiten des Kontaktverbots zu stärken und soziale Härten aufzufangen.

Telefonseelsorge spiele dabei eine große Rolle: In den Pfarrämtern warte man nicht nur auf Anrufe, sondern habe häufig die Initiative ergriffen: Insbesondere Alleinstehende, Ältere und Kranke werden angerufen, konkrete Hilfe wird angeboten. Gruppen und Kreise können nicht mehr stattfinden, aber die namentlich bekannten Gemeindeglieder werden telefonisch verbunden und vernetzen sich auch gegenseitig.

Allenthalben wurde berichtet, dass die „typisch ostfriesische“ Nachbarschaftshilfe gerade jetzt hervorragend greife. Ein besonders berührendes Beispiel kommt aus einer Dorfgemeinde: Auf die besorgte Nachfrage des Pastors bei einem über 90-jährigen Gemeindeglied, ob er denn wohl versorgt werde, berichtete der allein lebende Mann, dass an diesem Tage bereits drei Nachbarn unabhängig voneinander bei ihm vor der Tür standen, um ihre Hilfe anzubieten. Sollte derartige Hilfe nicht unmittelbar aus der Nachbarschaft erfolgen, bieten alle Kirchengemeinden und gegebenenfalls auch der Kreisjugenddienst ihre Unterstützung an. Auch die Mitarbeitenden des Diakonie-Pflegedienstes versorgen ihre rund 450 Klienten auf Anfrage mit allem Notwendigen. Und achten dabei wie alle kirchlich Mitarbeitenden streng auf die Einhaltung der verschärften Hygiene-Standards.

Gerade die älteste Generation ist mit modernen Kommunikationsmöglichkeiten nicht immer vertraut. Darum bemühen sich viele Gemeinden auch um ein Aufrechterhalten des „analogen“ Miteinanders: Einer der Pastoren geht sogar mit einem Musikanten auf die Straße und lässt kirchliche Choräle erklingen, beispielsweise auch vor dem Eingang des Norder AWO-Seniorenheims. Verstärkt werden auch wieder Briefe an die Gemeindeglieder geschrieben, manches Mal ermutigende Schriften und theologische Literatur verschenkt.

Erstaunlich ist auch die Rückmeldung zu den erzwungener Maßen verschobenen Konfirmationen: In keiner Gemeinde des Norder- oder Brookmerlands scheint es größere Probleme zu geben. Im Gegenteil: Die Familien hätten nach einer ersten Phase gemeinsamen Überlegens grundsätzlich verständnisvoll reagiert. Etwa die Hälfte der Gemeinden hat nicht einmal einen Ersatztermin benannt. Einvernehmliche warte man die weitere Entwicklung ab. Auch über das Abfedern eventueller finanzieller Härten wird nachgedacht, etwa wenn im Herbst das teure Konfirmationskleid nicht mehr passen sollte oder der lange vorher bestellte Saal Ausfallgebühren verlangt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Engagements ist die allgemeine Verstärkung des kirchlichen Internet-Angebots: Viele Gemeinden präsentieren aktuell aufgenommene Andachten und Kurzgottesdienste im Netz. Teilweise wird dieses Angebot von Tag zu Tag erneuert und erreichte ungewöhnlich hohe Klick-Zahlen. Manche stellen bisherige Veröffentlichungen neu bei Youtube zusammen.

Aus der Norder Ludgerikirche wird an diesem Sonntag „Judika“ erstmals ein Kurzgottesdienst übertragen. Er ist spätestens ab 10.00 Uhr über die Homepage der Ludgerigemeinde (www.norden-ludgeri.de) und des Kirchenkreises Norden (www.kirchenkreis-norden.de) abrufbar und lädt zum gemeinsamen Feiern ein. Superintendent Dr. Helmut Kirschstein meint, der „sehnsuchtsvolle“ Text seiner Predigt aus dem Hebräerbrief passe gut zur Situation: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Da der eigentlich vorgesehene Einsatz der Ludgeri Gospel Singers nicht möglich ist, steuert stellvertretend eine Solistin des Chors ihren Beitrag bei: Kristina Christians singt „Amazing Grace“. Kreiskantorin Agnes Luchterhandt wird sie begleiten und auch mit Chorälen an der Arp-Schnitger-Orgel zu hören sein. Möglich wird die Aufnahme durch das Equipment des Norder Medienzentrums und den ehrenamtlichen Einsatz von dessen langjährigem Mitarbeiter Helmut Fischer. Pastor Martin Specht nimmt die technische Aufbereitung vor.

Kirche in Zeiten von Corona: Alles in gebührendem Abstand, versteht sich – aber gerade so eine kreative und phantasievolle Reaktion auf die Herausforderungen der Gegenwart.

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