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Der Marktplatz tanzt: ein internationales Fest

2.Ostfriesischer GOSSNER-Tag in Norden mit Gästen aus Uganda und Indien
Der Marktplatz tanzt: ein internationales Fest
"Black and White together..."

Norden, 17. Juni `18 - Ostfriesischer Gossner-Tag in Norden: Mit herzlichen Worten begrüßte Bürgermeister Heiko Schmelzle die Gäste aus Indien und Uganda ebenso wie ihre Begleiter aus der Zentrale des kleinen Misionswerks in Berlin. Er durfte sich aber auch über die zahlreichen Norder und viele Touristen freuen, die sich schon um 10.00 Uhr auf dem Torfmarkt eingefunden hatten. Es sei eine Ehre für die Stadt Norden, dieses besondere Ereignis schon zum zweiten Mal beherbergen zu dürfen. Einladend skizzierte Schmelzle die Teekultur und das besondere Flair Ostfrieslands, und seine englische Übersetzung nahm auch die weitgereisten Gäste in die Vorstellung des Norderlands hinein.

Ein großes Rund aus Informationsständen präsentierte die Partnerschaftsarbeit des Norder Freundeskreises Uganda, der in Indien engagierten Karin-Vorberg-Stiftung aus Aurich, der Indien-AG der Emder Berufsschulen I und II, des mit dem ugandischen Kindergarten Agung verbundenen Kindergartens Osteel und des Ostfriesischen Freundeskreises der Gossner Mission. Und es dauerte nicht lange, bis der Funke übersprang. Dafür sorgten Gesang und Tanz der Gruppen aus Uganda und Indien, vor allem aber die Nörder Danzkoppel. In ihrer historischen Kleidung, beim volkstümlichen Tanz zu Live-Musik mit Akkordeon und Geige wirkte der fröhliche Auftritt höchst einladend auf die Gäste. Die ließen sich nicht zweimal bitten und tanzten begeistert mit. Was für ein farbenprächtiges Bild vor den Mauern der altehrwürdigen Ludgerikirche! Auch Spaziergänger und Marktbesucher wurden zum Mitmachen animiert, und bald hatte es den Anschein, dass der ganze Marktplatz tanzt. Für willkommene Abwechslung sorgten die „Singing Gossners“, eine fünfköpfige Gruppe junger Inder, in deren Musik sich traditionelle Klänge der Adivasi-Kultur mit vertrauteren Akkorden internationaler Pop-Musik mischte. Der Osteeler Kindergarten „Schneckenhaus“ hatte ein „afrikanisches Dorf“ vorbereitet und ließ spielerisch das typische Leben Ugandas nachvollziehen. Leiterin Karin Lienemann erzählte von der nachhaltigen Inspiration, die der wiederholte Besuch der afrikanischen Partner für Kinder und Eltern bedeutet habe. Bis hin zum kindgemäßen Gebet, das ganz wie in Uganda im Kindergarten gepflegt wird, auf dem Norder Marktplatz vor Augen geführt wurde und zu Herzen ging.

Zu den Überraschungen gehörte der Auftritt eines jungen Migranten: Mori stammt aus dem Iran und steuerte mit seiner Gitarre eigene Klänge und Raps zur fröhlichen Atmosphäre bei. Er gehörte zu Schülerinnen und Schülern einer Migrationsklasse der Norder Conerus-Schule, die sich unter Leitung ihrer Sozialpädagogin Jane Hruska beteiligten. Einige hatten Bilder zu den Gründen ihrer Flucht und Migration gemalt, andere steuerten selbstgekochtes Essen aus Eritrea bei. Auch diese Beteiligung passte wunderbar ins bunte Programm, arbeitet die Gossner Mission doch seit jeher auch für Benachteiligte und mit Bedürftigen in Deutschland.

Am Nachmittag war es Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr (Emden) vorbehalten, die „Internationale Teetafel“ zu eröffnen. Eine lange Reihe weiß gedeckter Tische reichte quer über den Marktplatz. Das Tee-Mobil machte es möglich, und sicherlich wurde von den engagierten Mitarbeiterinnen zum ersten Mal nicht nur Onno-Behrends-Tee, sondern auch frisch mitgebrachter Tee aus Uganda aufgebrüht. In gewohnt launiger Weise spannte der Regionalbischof einen weiten Bogen vom Teegenuss zur Menschenwürde, die für die Gossner Mission im Mittelpunkt stünde: „Tee verbindet die Menschen über alle Grenzen hinweg. Wer gemeinsam Tee trinkt, teilt das Leben. Und so sind ostfriesische Teeliebhaber auch mit den Menschen verbunden, die unseren Tee produzieren: in Indien wie in Uganda.“ Dr. Klahr harrte selbst bei einsetzendem Regen am Tisch aus, Bürgermeister Heiko Schmelzle tat es ihm gleich. Als die Sonne zurückkam, füllten sich die Bänke, und auch der Krintstuut schmeckte internationalen Gästen wie Einheimischen.

Am späten Nachmittag dann der letzte Höhepunkt des ereignisreichen Tages: Die 3. Beach-Worship-Night, organisiert von der Norder Ökumene christlicher Kirchen, feierte ihren Event in der CVJM-Halle „Strandleben“ erstmals in Verbindung mit der Gossner Mission. Und das tat offensichtlich allen Beteiligten gut. Die Stimmung war prächtig, jetzt waren es vor allem die internationalen Gäste, die im Sand der großen Halle zu gemeinsamer Bewegung und Tanz motivierten. Zwischen den Auftritten der vier Worship-Bands gaben sowohl die Ugander als auch die Inder Kostproben ihrer musikalischen Kultur. Gemeinsam standen auch sie für das Motto der Veranstaltung: „Wir sind eins“ – im Glauben an Jesus Christus tatsächlich über alle Grenzen von Nation und Konfession hinaus.

Zum Abschluss der Gossner-Tags feierte die Ludgerigemeinde am Sonntag einen besonderen Festgottesdienst. „Unglaublich berührend“, so kommentierten am Ende junge wie ältere Gottesdienstbesucher das spirituelle Ereignis. Zunächst hatten sich die acht Gäste aus den Diözesen Gulu und Kitgum im Norden Ugandas vorgestellt und mit einem mehrstimmigen Choral ihre anglikanische Tradition unterstrichen. Dann steuerten ebenfalls acht junge Inder ein gefühlvolles „Halleluja“ in ihrer Heimatsprache bei. Pastor Christian Reiser, Direktor der Gossner Mission, legte in seiner engagierten Predigt das bekannte, auch im Evangelischen Gesangbuch enthaltene Lied „We shall overcome“ aus, zeigte Stationen dieses Protestsongs auf, das schon Martin Luther King für Freiheit und Gleichberechtigung gesungen habe, aber auch die Demonstranten im DDR-Berlin nach einer Knüppel-Orgie der Polizei im Oktober 1989. Umso eindrücklicher geriet dann der gemeinsame Gesang, als Schwarz und Weiß Hand in Hand mit dem Gospelchor „Black and White together“ anstimmten. Auch das anschließende Gebet, untermalt von Klängen der Ludgeri Gospel Singers, verlieh der gemeinsamen Sehnsucht nach weltweitem Frieden eine Stimme. Am Ende blieb kaum ein Auge trocken. Bewegende Augenblicke, die nicht nur die Gäste aus Indien und Uganda mitnehmen werden bei ihrem Einsatz für Menschenwürde und Gerechtigkeit, der sich die Gossner Mission verpflichtet weiß.

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