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"Ein Aushängeschild für Norden und die Region"

MGV Gnadenkirche Tidofeld: Erweiterungspläne für den "Friedensort"
"Ein Aushängeschild für Norden und die Region"
Mitgliederversammlung: "große Pläne"

Norden-Tidofeld, 23. Mai `18 – Große Pläne beim Verein „Gnadenkirche Tidofeld“: Im Innenhof des Areals soll ein weiteres Gebäude entstehen, in erster Linie, um der Sonderausstellung „Von Vietnam nach Ostfriesland“ über die Ankunft und Aufnahme der Boatpeople in Norden-Norddeich, die bis vor Kurzem in den Räumen des Teemuseums in Norden zu sehen war, ein dauerhaftes Zuhause zu bieten. Im Rahmen ihrer Jahreshauptversammlung stellten Vorstandsmitglieder des Vereins die neuen Ideen jetzt vor.

Es gebe bereits Pläne, sagte Vorsitzender Dr. Helmut Kirschstein. Ein Arbeitskreis "Boatpeople" sei gegründet worden, dem unter anderen Roman Siewert und der Leiter des Teemuseums, Dr. Matthias Stenger, angehörten. Siewert war bekanntlich früher Leiter des Sozialwerks Nazareth, wo sehr viele Vietnamesen aufgenommen worden waren.

„Das ist ein Aushängeschild für Norden, für die ganze Region, ein Alleinstellungsmerkmal“, erklärte Schatzmeister Heiko Kremer. Die bisherige Dauerausstellung (Schwerpunkt: das Schicksal Deutscher aus den ehemaligen Ostgebieten) werde damit ergänzt und aufgewertet. Kirschstein und Prof. Bernhard Parisius als wissenschaftlicher Leiter betonten, dass die Gnadenkirche als Dokumentationsstätte für Flucht, Vertreibung und Integration generell stehe. Thema seien beispielsweise auch Russlanddeutsche oder aktuell die geflüchteten Menschen aus Syrien, Eritrea und anderen Teilen der Welt.

Das neue Gebäude soll auch Räumlichkeiten für Büros und Lager erhalten. Zudem sei eine Begegnungsstätte geplant, erläuterte Kremer.

„Die finanziellen Möglichkeiten sind da“, ergänzte Kirschstein, der unter anderem auf ein Engagement der Nachfahren des Cap Anamur-Gründers Rupert Neudeck hofft.

Auch personell rüstet der Verein derzeit auf. Seit Herbst letzten Jahres ist mit Lennart Bohne bereits ein pädagogischer Leiter eingestellt. Erst vor wenigen Tagen sei die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld offiziell in den Rang eines besonderen "Friedensorts" der Hannoverschen Landeskirche erhoben worden. Dies sei mit erheblichen Sonderzuwendungen verbunden. Bohnes halbe Stelle könne darum zum 1. Oktober 2018 zu einer dreiviertel Stelle aufgestockt werden, ab Oktober 2019 sogar zu einer ganzen. Das sei vor allem mit Hilfe der Landeskirche durch den neu eingerichteten "Fonds Friedenswege" möglich, aber auch durch die Unterstützung von Landkreis,  Stadt und Kirchenkreis Norden. „Wir wollen die Stelle auf Dauer einrichten“, stellte Kirschstein klar. Mit Pastor Lars Kotterba ist zudem ein Nachfolger für Anton Lambertus gefunden. Lambertus hatte viele Zeitzeugeninterviews mit Vertriebenen geführt. Das habe lange brach gelegen, sagte Kirschstein, solle nun aber wieder aufgenommen werden, eventuell später auch mit Vietnamesen. Zudem sei es durch Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) möglich, die Öffnungszeiten kontinuierlich zu gewährleisten. Der Vorsitzende dankte in diesem Zusammenhang dem aktuellen Bufdi Thomas Meyer, der nicht nur Führungen übernehme, sondern wie sein Vorgänger inhaltlich intensiv mitarbeite und die Dauerausstellung weiter voranbringe.

Trotz vieler positiver Entwicklungen, zu denen in 2018 auch Vorträge zu aktuellen Fluchtthemen gehören sowie die Aussicht auf eine Sonderausstellung mit dem Titel „Alles brannte“, wo es um jüdisches Leben und seine Zerstörung in den preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen gehen wird (Eröffnung am 27. Januar 2019), hatten die Vorstandsmitglieder auch Negatives zu vermelden. Dazu gehört ein rückläufiges Besucherinteresse. Kremer hatte Zahlen dazu: 4 400 Euro Einnahmen durch Eintrittsgelder in 2016, 2 500 Euro in 2017. Der Verein bemühe sich um intensiveren Kontakt zu Schulen, sagte Kirschstein, Bohne verwies auf fertig ausgearbeitete Programme für Schulklassen. „Aber es braucht Zeit und kontinuierliche Arbeit“, bat Bohne um noch mehr Geduld.

In der Presse wurde bereits berichtet, dass der Verein medientechnisch weiter aufrüstet und Gelder vom „Wattenmeer-Achter“ sowie von der Sparkassenstiftung Aurich-Norden erhält (Gesamtvolumen 15 000 Euro). So sollen nicht nur Schüler, sondern auch Touristen noch einmal verstärkt auf die Dokumentationsstätte aufmerksam gemacht werden.  Kirschstein zeigte sich optimistisch: „Die Kurve zeigt wieder nach oben!“ Das meinte er unter anderem mit Blick auf den erfolgreichen ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag. Dabei sei allein eine Kollekte von über 700 Euro für die Gnadenkirche zusammengekommen, für die er sich sehr dankbar zeigte.

Zbigniew Kullas, der sich als Beisitzer im Vorstand besonders um den deutsch-polnischen Austausch zwischen Jugendlichen kümmert, stellte ein neues Projekt für diesen Herbst vor, in dem es um Texte von und über Janusz Korczak gehen soll. Der Arzt, Autor, Pädagoge und Leiter eines Waisenhauses in Warschau ging im August 1942 zusammen mit den Kindern, die er betreute, ins Vernichtungslager Treblinka in den Tod. Kullas verwies auf die enge Verbindung zwischen Deutschen und Polen: „Viele hier haben Wurzeln in Osteuropa.“

Im Herbst dieses Jahres feiert der Verein das fünfjährige Bestehen der Dokumentationsstätte. Auch dazu sei in irgendeiner Form etwas geplant, verriet Kirschstein aber noch nichts Näheres. Für den 3. Oktober regte er im Beisein von Bürgermeister Heiko Schmelzle eine Veranstaltung in der Gnadenkirche an. Für die Zukunft erhofft sich der Vorsitzende noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Dazu sollen auch der von Lennart Bohne aufgelegte neue Flyer sowie der neu eingerichtete Internetauftritt dienen.

     > Unter dankbarer Verwendung eines Artikels für den Ostfriesischen Kurier (inkl. Foto) <

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