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Rückblick

6. Dezember 2019

"Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt."

Starke kirchliche Beteiligung: Aktionsbündnis "Norden rettet" will 5.000 € sammeln
"Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt."

Norden, 6. Dezember `19 - Man lässt keine Menschen ertrinken – da ist sich das Bündnis der Spendenkampagne „Norden rettet“ einig. „Also werfen wir den Rettungsanker“, sagte gestern Grünenpolitikerin Karin Joost bei der Vorstellung eben dieser Kampagne, die von Politik, Kirche und Gesellschaft in Norden gemeinsam gestartet wurde. Damit wollen die Beteiligten sich an der Einrichtung eines Rettungsschiffs der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) für im Mittelmeer in Seenot geratene Menschen beteiligen.

Bereits im September hatte der Rat der Stadt Norden die Stadt zum „Sicheren Hafen“ erklärt. „Allerdings wurde ein Punkt abgelehnt – und zwar 5.000 Euro für ein Rettungsschiff bereitzustellen“, berichtete Dorothea van Gerpen von der SPD-Ratsfraktion noch einmal von der damaligen Entscheidung. Deshalb will das Bündnis nun selbst aktiv werden und mindestens 5.000 Euro an Spenden für den Kauf und den Umbau eines Rettungsschiffs sammeln. „Wir werden bei 5.000 Euro natürlich nicht Schluss machen“, sagte Herma Heyken vom Kirchenvorstand der Ludgeri-Gemeinde. Immerhin geht die EKD davon aus, dass für den Kauf und den Umbau des ehemaligen Kieler Forschungsschiffs „Poseidon“ Kosten von rund einer Million Euro anfallen. Dieses soll möglichst schon im kommenden Frühjahr in Betrieb genommen werden und unter deutscher Flagge im Mittelmeer für humanitäre Einsätze genutzt werden.

Den Impuls, Norden als „Sicheren Hafen“ zu erklären, hatte es bereits Anfang des Jahres gegeben, nachdem der Norder Rainer Willmer von einem Einsatz mit der Organisation Sea Eye aus Malaga zurückgekehrt war. „Mir war klar, dass ich so schnell nicht wieder zu einem Einsatz komme und habe mir überlegt, dass es schön wäre, wenn sich Norden und Norddeich als „Sicherer Hafen“ erklären würden“, berichtete der pensionierte Lehrer. Es entstand ein Kontakt zur internationalen Bewegung Seebrücke, in dessen Folge im Juni eine Schlauchbootaktion vor dem Kirchturm in Norden stattfand, bei der Mitglieder von Sea Eye und Sea Watch das Gespräch mit den Bürgern suchten, um sie auf die Situation der Menschen aufmerksam zu machen, aber auch um sich gegen die Abschottungspolitik in Deutschland und der EU zu stellen.

Schon damals, im Juni, hatten die Norder Grünen, die SPD Norden, die evangelisch-lutherische Ludgeri-Kirchengemeinde Norden und Einzelpersonen 300 Unterschriften für den Sicheren Hafen gesammelt. Letztlich wurden es mehr als 1.000, mit denen auch der Forderung nach einem Ratsbeschluss Nachdruck verliehen wurde. Dieser Erfolg soll nun auch mit der Spendenaktion fortgesetzt werden. „Wir haben schon jetzt viele Zusagen, dass Spenden kommen“, sagte Heyken. Bereits am Mittwoch hatte sie bei der Kirchenkreistagssitzung eine Spendendose herumgehen lassen. Außerdem wird beim Konzert der Ludgeri Gospel Singers am Sonnabend, 14. Dezember, in Arle ein Teil der Einnahmen für die Kampagne gespendet. Auch die Kollekte im gesamten Kirchenkreis Norden am 9. Februar 2020 geht an das Projekt.

Wir haben zudem ein Spendenkonto eingerichtet“, sagte Heyken weiter. Dort sollen ein halbes Jahr lang alle Geldbeträge unter dem Titel „Rettungsschiff“ gesammelt werden, um dann „alles in einem Schwung zu überweisen“, so die Kirchenvorsteherin. Und: „Jeder, der spendet, bekommt einen Aufkleber ,Norden rettet.“, erklärte Joost und appellierte an Norderinnen und Norder, vielleicht beim nächsten Geburtstag um Spenden zu bitten.

Immerhin sei die Seenotrettung in der Seele der Ostfriesen verankert, glaubt Burkhard Eggert. Der Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe Norden ist früher selbst zur See gefahren und hat als Funker in Norddeich miterlebt, dass „im Seenotfall alles stehen und liegen gelassen wurde“. So müsse es auch bei den Menschen sein, die aus der Not heraus aus ihren Heimatländern in Afrika über das Mittelmeer fliehen. 2019 seien bereits mehr als 1.000 dabei gestorben, sagte er. „Wir wollen humanitär handeln und Menschenleben retten, wo staatliche Seenotrettung fehlt und Europa droht, seine Werte zu verlieren. Als Kirche leben wir Nächstenliebe“, brachte es Superintendent und Schirmherr der Aktion, Dr. Helmut Kirschstein, auf den Punkt.

Wer spenden möchte, kann dies unter dem Verwendungszweck „Rettungsschiff“ unter dem Spendenkonto IBAN DE67 2802 0050 8605 3451 06.

 

Mit herzl. Dank an den Ostfriesischen Kurier (Text & Foto)!