Polen

Partnerschaft der Ev.-luth. Kirchengemeinde Norddeich mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde Thorn

"Gość w domu, Bóg w domu" – "Gast im Haus, Gott im Haus"

Blick auf die Weichsel

Die Partnerschaft der Ev.-luth. Kirchengemeinde Norddeich mit der Ev.-luth. Kirchengemeinde Thorn (Toruń) in Polen begann mit einem Besuch von Isolde Boomgaarden in Thorn.

Isolde Boomgaarden, ein Norddeicher Gemeindeglied, wurde in einem Dorf bei Thorn geboren und infolge des Zweiten Weltkriegs von dort vertrieben. Nach vielen Jahren besuchte sie Thorn und lernte dort den lutherischen Pastor Jerzy Molin kennen.

Zunächst wurden in Norddeich Kollekten gesammelt um die polnische Partnergemeinde zu unterstützen, schließlich fuhr eine Gemeindegruppe aus Norddeich 1999 nach Thorn – dies war die eigentliche Geburtsstunde der Partnerschaft der beiden Gemeinden.

Seitdem gibt es regelmäßige Besuche und Gegenbesuche von kleinen Gemeindegruppen. Es haben sich viele persönliche freundschaftliche Beziehungen entwickelt.

Die Partnergemeinde verfügt über einige Gästezimmer. Im Aufenthaltsraum ist der obige Vers zu lesen. Dieser macht deutlich, wie groß die polnische Gastfreundschaft ist: Jedes Mal sind die Tische überreich gedeckt.

Die Stadt Thorn liegt an der Weichsel. Die Stadt ist im zweiten Weltkrieg verschont geblieben, so dass es im Altstadtbereich eine Vielzahl mittelalterlichen Kirchen, sowie ein Ordensritterburgruine gibt. Auf der anderen Seite ist Thron eine moderne Groß- und Universitätsstadt.


Beziehungen des Vereins "Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld" e.V. nach Miastko (ehem. Rummelsburg)


Beeindruckende Aufarbeitung der Vergangenheit: Deutsche und polnische SchülerInnen bei der musikalischen Revue zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns

"Alle Menschen werden Brüder..."

"Alle Menschen werden Brüder..." - so erklang es programmatisch am Ende der ersten Theaterrevue, die deutsche und polnische SchülerInnen im Herbst 2009 gemeinsam auf die Bühne brachten. Auf Initiative des Vereins "Gnadenkirche Tidofeld"gestalteten Jugendliche aus beiden Ländern einen emotional bewegenden Abend. Initiator, Autor und Regisseur Zbigniew Kullas - im Vorstand des Vereins für den Arbeitszweig "Internationale Jugendbegegnung" zuständig -, konnte mit dem vollen Erfolg rundum zufrieden sein: Das gut gefüllte Auditorium im Theatersaal der Realschule dankte ihm und den jugendlichen Akteuren mit langanhaltendem Beifall und "Standing Ovations".

Tatkräftige Unterstützung hatte Kullas bei Astrid Willamowski gefunden, die als Lehrerin am Norder Ulrichsgymnasium den deutschsprachigen Part betreute. Mit dabei auch Jochen Fischer, der die Bigband des Gymnasiums souverän leitete. Naturgemäß hatten die deutschsprachigen Programmpunkte ein Übergewicht durch eine Fülle kriegs-kritischer und friedens-betonter Gedichte und Lieder, die von Paul Celan über Johannes R. Becher und Marie Luise Kaschnitz bis zu Wolf Biermann reichten. Die polnischen Schülerinnen und Schüler beeindruckten durch ihre sehr spielfreudige Band und den klangschönen Chor. Beim Gegenbesuch im polnischen Miastko (dem ehemaligen Rummelsburg) kehrte sich der Schwerpunkt im Verhältnis der deutschen und polnischen Beiträge naturgemäß um.

Das gemeinsame Projekt wurde fortgesetzt: Im März 2010 nahmen deutsche und polnische Jugendliche beider Begegnungsgruppen im Rahmen der Tagung "Europa gestalten" an einem ökumenischen Gottesdienst in der Versöhnungskirche im Pommernzentrum Lübeck-Travemünde teil. Im April gastierten die polnischen Partner in Norden, um gemeinsam mit Pastor Anton Lambertus (Geschäftsführer Gnadenkirche Tidofeld e.V.) musikalisch zur 125-jährigen Jubiläumsfeier der katholischen St.Ludgerus-Kirche beizutragen.

Im Herbst 2010 kam es dann zum 2. deutsch-polnischen Jugendaustausch mit Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte: Texte und Lieder polnischer und deutscher Dichter und Komponisten aus der Mitte des 20.Jahrhunderts standen im Mittelpunkt, als es um den wirtschaftlichen Wiederaufbau auf beiden Seiten von Oder und Neiße in den 1950er und 1960er Jahren ging.

Ziel ist es, das deutsch-polnische Miteinander nachhaltig zu fördern, indem auch die belastenden Aspekte im Miteinander der Völker bewusst wahrgenommen werden. Der auf Initiative des Ev.-luth. Kirchenkreises Norden entstandene Verein "Gnadenkirche Tidofeld. Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen und Nordwestdeutschland e.V." hat es sich damit zur Aufgabe gesetzt, aus der schmerzlichen Vergangenheit für eine versöhnliche Zukunft zu lernen - und gerade auch junge Menschen an diesem Lernprozess teilhaben zu lassen.