Gnadenkirche Tidofeld

DOKUMENTATIONSSTÄTTE ZUR INTEGRATION
DER FLÜCHTLINGE UND VERTRIEBENEN
IN NIEDERSACHSEN
UND NORDWESTDEUTSCHLAND e.V.

Am 5.5.2009 wurde die bisherige Arbeitsform einer Projektgruppe neu organisiert:
Gemeinsam mit dem Röm.-kath. Bistum Osnabrück (vertreten durch die kath. Kirchengemeinde Ludgerus, Norden), dem Landkreis Aurich und der Stadt Norden gründete der Ev.-luth. Kirchenkreis Norden den Verein "Gnadenkirche Tidofeld. Dokumentationsstätte usw. e.V."

Die Aktualität

Gnadenkirche Tidofeld

Flucht und Vertreibung, gescheiterte und gelungene Integration: In unserer globalisierten Welt ist kaum ein Thema von so brisanter Aktualität. Krieg und Frieden, das Wohlergehen ganzer Länder und Bevölkerungsgruppen hängt davon ab, ob nach grausamen politischen Ereignissen die Integration der besonders schwer Betroffenen gelingt.

Auch im Deutschland der Gegenwart hat die damit verbundene Fragestellung eine außergewöhnliche Bedeutung – für Migranten aller Art, für ehemalige „Gastarbeiter“ und neu hinzugekommene „Russlanddeutsche“... Und für die ortsansässige Bevölkerung nicht minder.

Dabei ließe sich aus der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte lernen. Flucht, Vertreibung und Integration sind das Thema einer ganzen Generation – und sollten es auf neue Weise für gegenwärtige und zukünftige Generationen werden. Um der Mitmenschlichkeit willen – im Geiste christlich-humanistischer Grundwerte.

Die Aufgabe

Fenster von Prof. Max Herrmann, Oldenburg

Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs und im Anschluss daran werden zunehmend in den Medien behandelt. Über das Schicksal der Betroffenen nach der Ankunft auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland gibt es aber kaum Darstellungen, die sich an eine breite Öffentlichkeit richten.

Es besteht aber ein großer Bedarf nach Information und Orientierung, um das eigene Erleben einordnen zu können. Das zeigt sich in Gesprächen mit Angehörigen der Erlebnisgeneration und ihren Kindern. Auffällig ist, dass Kinder und Enkel von ihren Eltern meist wenig darüber erfahren haben.

Der Informationsbedarf zeigt sich auch in Gesprächen mit älteren Einheimischen, die die Ankunft der Vertriebenen miterlebt haben, und jüngeren, die Vertriebenenfamilien kennen gelernt haben, aber nicht wissen, wann und warum diese hierher gekommen sind.

Die Bedeutung des Themas spiegelt sich auch in den Rahmenrichtlinien für alle allgemeinbildenden Schulen, in denen die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen am Ende des Zweiten Weltkriegs als wichtiger Lernbereich im Bereich Migration und Verwirklichung von Menschenrechten genannt wird. Doch auch hier ist zu beklagen, dass in Schulbüchern dazu bisher fast keine Informationen geboten werden.

Der Ort

Gedenkstein

Die Gnadenkirche Tidofeld wurde 1961 an Stelle einer Barackenkirche erbaut. Dieser Behelfsbau bot bis dahin evangelischen wie katholischen Christen in einem der größten Vertriebenen-Lager Nordwestdeutschlands eine spirituelle Heimat.

Damit dokumentiert die Gnadenkirche im Norder Stadtteil Tidofeld schon als Gebäude deutsche und europäische Geschichte. Sie ist wegen ihrer Größe und ihrer Lage in der Mitte einer Vertriebenensiedlung eine der herausragenden Vertriebenenkirchen Deutschlands.

Die wertvollen Fenster des Oldenburger Künstlers Prof. Max Herrmann (+1999) sind das ausdrucksvollste Stilmittel des Gebäudekomplexes, der auch als charakteristisches Baudenkmal der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts eine besondere Würdigung verdient: Seit Mitte 2007 steht die Gnadenkirche Tidofeld unter Denkmalschutz.

Die Idee

Eingangsbereich

Der besondere Ort scheint besonders prädestiniert, um hier eine „Dokumentationsstätte“ einzurichten: ein lebendiges „Denk-mal!“ der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen. Dokumentiert werden die Jahre 1945 – 1960. Gedacht ist an eine moderne Präsentation mit Erlebnis-Charakter: Die Wohnsituation der damaligen Zeit soll erfahrbar werden. Powerpoint-Präsentationen, Ausstellungs-Tafeln, Zeitdokumente im Film und per Audio-Interview vermitteln Informationen und lebendige Eindrücke. Auf dem Außengelände soll die ehemalige Barackenkirche wieder erstehen.

Die Dokumentationsstätte „Gnadenkirche Tidofeld“ ist ein „Pilotprojekt“ - etwas Derartiges gibt es in ganz Deutschland noch nicht!