Das "Norder Modell" zur Stellen-Finanzierung

Konzept des Kirchenkreises Norden (KKV-Beschluss) vom Oktober 2002

Zur

  • Stabilisierung kirchengemeindlicher Arbeit in einer angespannten Finanzsituation,
  • Förderung des kirchengemeindlichen Lebens
  • Unterstützung der Eigenverantwortung auf Kirchengemeinde-Ebene
  • Bewahrung „menschlicher“ Arbeitsgrößen und überschaubarer Planungseinheiten
  • Förderung kreativen Umgangs mit finanziellen Ressourcen
  • Eröffnung finanzieller Freiräume für die Kirchengemeinden und Kirchenkreise unserer Landeskirche

schlagen wir folgendes

Finanzierungs- und Bonifizierungs-Modell
zum Erhalt von Pfarrstellen / sonstigen Stellen von MitarbeiterInnen

(„Norder Modell“)

vor:

Ziel ist es, Pfarrstellen, die im Stellenplan des Kirchenkreises nur noch als „Pfarrstelle mit eingeschränktem Dienstumfang zu Drei Vierteln“ bzw. „zur Hälfte“ vorgesehen sind, auf Antrag des betroffenen Kirchenvorstands [im eingangs skizzierten Sinne] als „ganze Stelle“ zu erhalten.

1) Die Kirchengemeinde verpflichtet sich, das fehlende Viertel / die fehlende Hälfte der Pfarrstellenfinanzierung durch Spenden bzw. Eigenmittel aufzubringen und schließt darüber mit dem Kirchenkreis und der Landeskirche eine Vereinbarung.

2) Kirchenkreis und Landeskirche belohnen dieses kirchengemeindliche Engagement durch eine Bonifizierung im Verhältnis 3 : 1 :1 . Auf 3 Euro, die die Kirchengemeinde aufbringt, geben Kirchenkreis und Landeskirche jeweils 1 Euro dazu.

Begründung:

Das Landeskirchenamt hat in Zusammenarbeit mit dem Landessynodalausschuss ein Konzept zur „Bonifizierung eingeworbener Drittmittel“ entwickelt, um (laut Rundverfügung G 6 / 2002) „diejenigen zu belohnen, die mit Erfolg Mittel für die kirchliche Arbeit einwerben“. Dieses Konzept soll der Synode in ihrer Novembertagung zur abschließenden Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden. Es möchte im Verhältnis 3:1 die „Förderung professionellen Fundraising-Engagements in den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen“ (G 6 / 2002) unterstützen, bezieht sich allerdings auf Stiftungen und Fördervereine zur Förderung kirchlicher bzw. diakonischer Zwecke.

Viele gute Gründe sprechen für dieses Konzept. In analoger Weise und mit durchaus vergleichbarer Motivation und Abzweckung empfiehlt es sich, die partielle Selbstfinanzierung von Pfarrstellen durch Kirchengemeinden zu unterstützen.

  • Seit mehreren Jahren liegen gute Erfahrungen mit derartigen Selbstfinanzierungen vor.

  • Eine Bonifizierung wird vermutlich dazu führen, dass eine Vielzahl weiterer Gemeinden den Schritt zur alternativen Pfarrstellen-Finanzierung wagen - in aller Regel verbunden mit jenen positiven Aspekten, die oben zu Beginn kurz skizziert wurden.

  • Indem sich mit der Landeskirche auch der jeweilige Kirchenkreis an dieser Stelle engagiert, wird die ohnehin mit immer weitreichenderen Kompetenzen („Budgetierung“) ausgestattete Planungsebene vor Ort in ihrer positiven Gestaltungsmöglichkeit hervorgehoben - der Kirchenkreis bzw. sein Stellenplanungsausschuss wird nicht länger nur als kritische Instanz (Pfarrstellenstreichung, Zusammenlegung von Gemeinden) wahrgenommen, sondern als kreative Institution an der Seite der Gemeinden erfahrbar.
     
  • Zugleich fördert das Bonifizierungs-Modell dieVerbundenheit von Kirchengemeinde und Landeskirche, deren Position sich in einer von vielen Kirchengemeinden als äußerst kritisch empfundenen Lage von einer die Stelleneinsparung fordernden zu einer den Stellenerhalt fördernden Institution verändert.

 Das vorgeschlagene Modell ist analog auch auf Diakonenstellen anzuwenden.

Es unterstützt Vernetzung und Kreativität, Eigenverantwortung und den Mut zu einem kalkulierbaren Risiko. So stellt es einen phantasievollen Schritt zur Stärkung und Förderung lebendiger Kirchengemeinden dar. Dieses Modell scheint uns gut geeignet, die Gestaltungsfreiheit der Evangelisch-lutherischen Kirche insgesamt zu wahren und zu befördern. 

Antrag an die Synode gescheitert - was nun?

Der Antrag des Kirchenkreises Norden an die Landessynode (Juni 2005) hatte keinen Erfolg - die Landeskirche beteiligt sich also (noch?) NICHT an der Bonifizierung, so dass das Verhältnis 3 : 1 : 1 (Gemeinde - Kirchenkreis - Landeskirche) nicht realisiert werden konnte.

Da einige Gemeinden im Kirchenkreis Norden bis zu diesem Zeitpunkt bereits den Beschluss gefasst hatten, ihre (Pfarr-)Stellen aufgrund des Modells aufzustocken bzw. zu erhalten, garantiert der Kirchenkreis diesen Gemeinden zumindest für die ersten 5 Jahre die Übernahme des landeskirchlichen Anteils durch den Kirchenkreis.

Der Kirchenkreis Norden realisiert das "Norder Modell" demnach im Verhältnis 3 : 2 (Kirchengemeinde - Kirchenkreis). Für alle neuen Maßnahmen ab dem Planungszeitraum 2009 - 2012 wird das Verhältnis 2 : 1 umgesetzt: die Kirchengemeinde zahlt zwei Drittel, der Kirchenkreis ein Drittel.

Das "Norder Modell" wird auf hauptamtliche Pfarrstellen, Diakonenstellen, Kantorenstellen wie auch auf nebenamtliche Mitarbeiterstellen im Bereich der Kirchenmusik, der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und sonstiger Mitarbeitender angewendet. Es dient nicht nur der Absicherung bereits bestehender Stellen, sondern ggf. auch der Schaffung neuer Stellen(anteile).

Ein erneuter Antrag an die Synode soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.