Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld

Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen und Nordwestdeutschland

Als erster und bislang einziger Ort in der Bundesrepublik Deutschland präsentiert die Dokumentationsstätte im Norder Ortsteil Tidofeld eine zeitgeschichtliche Dauerausstellung zur Ankunfts- und Integrationsgeschichte der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der (seit 2017) offiziell anerkannte "Friedensort" der Hannoverschen Landeskirche verbindet diese historische Aufarbeitung seit seiner Einweihung durch Landesbischof Ralf Meister im Nov. 2013 mit gesellschaftspolitischem Engagement für die Integration von Einwanderern der folgenden Jahrzehnte („Gastarbeiter“, „Boatpeople“, „(Spät-)Aussiedler“) bis hin zu Asylsuchenden und aktuellen Migranten. Die Wahl des Ortes ist dabei entscheidend: Die Gnadenkirche ist der denkmalgeschützte Nachfolgebau einer ehemaligen, ökumenisch genutzten Not- und Barackenkirche in einem der größten Flüchtlingslager Norddeutschlands.

Das Projekt wurde seit 2005 von einem Arbeitskreis des Kirchenkreises vorangetrieben, und die Dokumentationsstätte bleibt eng an den Kirchenkreis Norden angebunden: Gebäude und Grundstück sind dem 2009 gegründeten kirchennahen Verein Gnadenkirche Tidofeld e.V. zum Niesbrauch überlassen. Institutionelle Träger sind außerdem die Stadt Norden, der Landkreis Aurich und das röm.-kath. Bistum Osnabrück. Der Superintendent des Kirchenkreises Norden ist lt. Satzung qua Amtes grundsätzlich 1. Vorsitzender.

Auf Basis der historischen Perspektive kriegsbedingter Migration und Integration von 12 bis 14 Millionen Menschen dringt die Dokumentationsstätte auf einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen, Arbeitsuchenden und Asylbewerbern, Aussiedlern und Migranten gleich welcher Herkunft. Damit bereichert sie die aktuelle gesellschaftspolitische Diskussion der Gegenwart und bezieht eindeutig Stellung im Sinne christlicher Grundwerte. Durch den Einsatz moderner Technik (Touchscreens, Multimedia-Guides) werden deutschlandweit einzigartige Zeitzeugen-Interviews zum Medium des Plädoyers für Empathie und friedenspolitische Verantwortung – zu Gunsten einer humanen Gesellschaft. „Wisst ihr nicht, dass diese verdammten Zahlen menschliche Wesen sind?" (Golda Meir)

Migration wird als ein großes Menschheitsthema betrachtet. Die Friedensarbeit richtet sich ganz gezielt an Schulklassen und Konfirmandengruppen: Maßgeschneiderte Angebote behandeln verschiedene Dimensionen von Migration, forschen nach, was die Bibel über Flucht und Vertreibung berichtet, üben den Umgang mit Quellen wie Exponaten oder lebensgeschichtlichen Interviews mit Zeitzeugen – immer im Blick auf den menschenwürdigen Umgang mit aktuellen Migranten. Jährlich werden größere Projekte mit Jugendlichen erarbeitet (im Rahmen deutsch-polnischer Versöhnungsarbeit 2018 bspw. ein internationales Theaterprojekt zu Janusz Korczak, 2019 eine fotografische Wanderausstellung „In Huus“ mit Porträts und Lebenswegen in Bild und Wort).

Das Gelände der Dokumentationsstätte bietet jährlich Raum für große ökumenische Freiluft-Gottesdienste zum Thema Integration, Menschenwürde, Völkerverständigung. Regelmäßig werden Veranstaltungen – Vorträge, Lesungen, Filmabende, Zeitzeugengespräche – zu vielfältigen Themen der deutschen Migrations- und Zeitgeschichte ausgerichtet. Zu den Höhepunkten zählten Symposien mit (ehemaligen und aktuellen) Flüchtlingen aus Schlesien, Iran, Syrien und Uganda. Sonderausstellungen – bspw. zur Geschichte der Juden in den preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen oder zur zivilen Seenotrettung im Mittelmeer – schärfen das friedensstiftende Profil der Dokumentationsstätte.

Im Rückblick auf das Damals
geht es um die Verantwortung für das Hier und Heute.

Symposion mit ehem. deutschen Heimatvertriebenen und aktuellen Migranten

Eröffnung der Sonderausstellung "Alles brannte. Jüdisches Leben und seine Zerstörung ..."

Sonderausstellung "In Huus" - Jugendliche erarbeiten Migrations-Biographien: vom ehem. Schlesier über die Roma-Frau zum Flüchtling aus Eritrea

"Retten statt reden": Eröffnung der Foto-Sonderausstellung "Seenotrettung an Europas Grenzen" in Zusammenarbeit mit der Organisation "Sea Watch". Mit dem ehem. Kapitän Stefan Schmidt, Borderline Europe, Beauftragter des Landes Schleswig Holstein für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen

Für Schülerinnen und Schüler wurden museumspädagogische Angebote entwickelt. Die Dokumentationsstätte begleitet die Module

  • Zeitzeugeninterviews"
  • "Exponate und Alltagsgegenstände"
  • "Migration und Zwangsmigration heute"
  • "Hilfe zur Integration und gelebte Nächstenliebe
    als friedensbildende Maßnahme"

Die Dokumentationsstätte
Gnadenkirche Tidofeld
Donaustr. 12, Norden
ist täglich geöffnet:

Di. - So. 14.00 - 17.00 Uhr
(montags Ruhetag)

Winterzeit (1.11. - 29.2.)
Do. - So. 14.00 - 17.00 Uhr

Schulklassen und Gruppen
gerne auch vormittags
u. abends nach Absprache
(Tel. 04931 - 1897 60)

Eintritt 3,00 €
(ermäßigt: 2,00 €)

Spendenkonto
10 413 (BLZ 283 500 00)
Sparkasse Aurich-Norden

IBAN
DE34 2835 0000 0000 0104 13
Spenden steuerlich absetzbar!

Gnadenkirche Tidofeld

  • Nachfolgebau einer Barackenkirche
  • erbaut 1961
  • bis 2005 ev.-luth. Gotteshaus
  • seit 2007 unter Denkmalschutz
  • seit 2008 provisorische Ausstellung
  • 2. Nov. 2013 Einweihung als Dokumentationsstätte

Wir brauchen Orte in Deutschland,
an denen Geflüchtete ihre Geschichten erzählen können.

(Aleida Assmann)

Geistlicher Schirmherr

Landesbischof Ralf Meister
in der Nachfolge von
Landesbischöfin Margot Käßmann

Politischer Schirmherr

Ministerpräsident Stephan Weil
in der Nachfolge von
David McAllister u. Christian Wulff

Historisches Tidofeld

Das Areal, auf dem seit 1961 die Gnadenkirche steht, diente seit den 30er Jahren der Kriegsmarine als Ausbildungs- und Durchgangslager. Nach der Kapitulation Nazideutschlands stand das Lager zunächst unter Verwaltung der britischen Besatzungsmacht und diente bis Anfang 1946 als Internierungs- und Entlassungslager für deutsche Kriegsgefangene.

Um die Aufnahme der vielen Flüchtlinge und Heimat-Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bewerkstelligen zu können, richtete die Stadt Norden hier ein Aufnahmelager ein. Bereits 1946 lebten 1.200 Menschen in dieser Barackensiedlung. Bis zu deren Abriss waren es insgesamt etwa 6.000.

Unter Denkmalschutz

Seit 2007 steht die Gnadenkirche Tidofeld unter Denkmalschutz.

Das Gebäude ist auch unter kunsthistorischen Aspekten sehenswert: Prof. Max Hermann (1908 - 1999), Meisterschüler von Otto Dix und Max Beckmann, schuf die beeindruckenden Glasfenster im Bereich des Eingangs, der ehemaligen Sakristei, des ehemaligen Chorraums und der durch den Umbau nivellierten Empore.

Die farbenfrohe Rosette in der Westfassade ziert nun auch das Logo der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld - und kann auf die bunte Vielfalt der Menschen gedeutet werden, deren Schicksal heute in diesen Räumen dokumentiert wird.