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Gábor Lengyel zum "Tag der deutschen Einheit" in Tidofeld: "Jüdische Heimat Deutschland?"

Es gibt in Norden und im Altkreis wohl kaum einen Ort, der so geeignet wäre für eine partei-übergreifende Veranstaltung zum Nationalfeiertag, wie die – auch durch Stadt und Landkreis unterstützte – Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld. Als offiziell anerkannter „Friedensort“ der Hannoverschen Landeskirche steht sie unter der Schirmherrschaft des Hannoverschen Landesbischofs wie des Niedersächsischen Ministerpräsidenten.

Wie im letzten Jahr, wird es hier auch am 3. Oktober 2022 eine gesellschaftspolitische Veranstaltung geben. Denn Flucht, Vertreibung, Migration und vor allem die Herausforderung der Integration haben unsre deutsche Gesellschaft seit 1945 kontinuierlich beschäftigt und geprägt, heißt es dazu in der Einladung. Im Blick auf die 12 bis 14 Millionen Menschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten bis hin zu denjenigen, die ab 2015 als Migrantinnen und Migranten auf der Suche nach einer neuen Heimat nach Deutschland gekommen sind, seien „Vielfalt und Toleranz eine Herausforderung, aber auch eine Stärke unsrer Gesellschaft“. In dieser Perspektive wolle man den 3. Oktober feierlich begehen.

Daher lädt der Norder Superintendent Dr. Helmut Kirschstein als Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Gnadenkirche Tidofeld e.V. „alle politisch engagierten und interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger“ zu einer Veranstaltung mit dem Senior-Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde Hannover ein: Dr. Gábor Lengyel spricht
zum Thema „Jüdische Heimat Deutschland? Was hilft uns zur Integration, was macht sie so schwer?“

Das Leben des vitalen 81-jährigen ist selbst durch Unterdrückung, Vertreibung und Migration geprägt: 1941 in Budapest als Sohn einer modern-orthodoxen jüdischen Familie geboren, erlebte er nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht die Verschleppung seiner Mutter in das Konzentrationslager Ravensbrück. Während diese bald darauf während eines Transportes in einem Viehwaggon starb, überlebten Gábor und sein drei Jahre älterer Bruder sowie eine Tante die Schoah im Ghetto von Budapest in einem Versteck. Im Zuge des Aufstands gegen die kommunistische Diktatur flüchtete der erst 15-jährige Lengyel 1956 alleine nach Österreich und wanderte von dort nach Israel aus, wo er in Jerusalem und Tel Aviv lebte und an einer Fachoberschule zum Feinmechaniker ausgebildet wurde. Anschließend diente er in der israelischen Armee und legte sein Abitur ab. Schließlich erhielt er eine Anstellung in der elektrooptischen Industrie in Tel Aviv. 1965 ging Lengyel zum Studium nach Deutschland und studierte als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung in Braunschweig an der TU. Zwischen 1972 und 2003 arbeitete er als Ingenieur in verschiedenen international tätigen Industrieunternehmen, zuletzt bei IBM.

Nachdem Gábor Lengyel bereits 1966 Gründungsmitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft war, engagierte er sich ab 1978 verstärkt im jüdischen Leben sowie im christlich-jüdischen Dialog in Niedersachsen und im jüdisch-muslimischen Dialog, u.a. initiierte er einen Koran-Bibel-Thora- Lernkreis. Von 1978 bis 1993 wirkte er beim Aufbau und als Vorstandsmitglied in der Leitung der Jüdischen Gemeinde Braunschweig. Nach Theologiestudium und Promotion in Budapest und Berlin wirkt Gábor Lengyel seit 2012 Lengyel als Lehrbeauftragter an der Leibniz Universität Hannover und als Senior-Rabbiner der 1995 gegründeten Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Gerade im Blick auf seine interreligiösen Versöhnungs-Bemühungen darf Dr. Gábor Lengyel sicherlich als einer der bedeutendsten Vertreter des europäischen wie des deutschen Judentums bezeichnet werden. Sein Engagement wurde mit der Verleihung des Niedersächsischen Verdienstkreuzes am Bande geehrt.

Dr. Helmut Kirschstein freut sich, dass es gelungen ist, nach Aeham Ahmad, dem muslimischen „Pianisten aus den Trümmern“ mit syrisch-palästinensischem Hintergrund, jetzt einen so kompetenten Vertreter des Judentums zu gewinnen.  Die Veranstaltung im Saal der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld, Donaustr. 12, beginnt um 17.00 Uhr. Der Eintritt ist frei und berechtigt auch zur Besichtigung der Dauerausstellung.

Autorenlesung - "Madeleines Vermächtnis"

Ingrid und Frerich Ihben

"Madeleines Vermächtnis" - Roman

Freitag, 7. Oktober, 19 Uhr - Kirche zu Resterhafe

Kleine Haydnmesse in B-Dur und Gloria von Vivaldi, Händel Orgelkonzert

Konzert Ludgerikantorei gemeinsam mit der Lambertikantorei Aurich

(Samstag, 8. Oktober, 17.30 Uhr - Lambertikirche Aurich)
Sonntag, 9. Oktober, 19 Uhr - Ludgerikirche Norden
Antonio Vivaldi: Gloria in D-Dur
Joseph Haydn: Festmesse in B-Dur
G. F. Händel Orgelkonzert
Maria Park, Sopran
Dorothea Ohly-Visarius, Mezzosopran
Ostfriesisches Kammerorchester
Lambertikantorei Aurich
Ludgerikantorei Norden
Leitung: Maxim Polijakowski und
Thiemo Janssen

Eintritt Norden: € 27 / 18 / 11
erm. 17 / 10 / 6 (außer Senioren)
Vorverkauf Norden ab 17. 9.:
SKN-Kundenzentrum Neuer Weg 33, Tel. 925157