Drei Millionen Euro für Erweiterung der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld

Nachricht Norden, 10. April 2026

Die geplante bauliche und inhaltliche Erweiterung der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld nimmt konkrete Formen an. Seit 2019 arbeiten die Dokumentationsstätte und der Arbeitskreis Forum Boatpeople an einem Projekt, das die zeitgeschichtliche Dauerausstellung deutlich ausweiten soll. Nun steht die Finanzierung: Insgesamt rund drei Millionen Euro stehen für das Vorhaben zur Verfügung.

Die Mittel stammen aus einer breiten Förderpartnerschaft von Bund (Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, BKM), Land Niedersachsen (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, MWK), der Stadt Norden und dem Landkreis Aurich. Hinzu kommen die Niedersächsische Sparkassenstiftung / Sparkasse Aurich-Norden, die Stiftung Niedersachsen, die Klosterkammer Hannover, die Hanns-Lilje-Stiftung sowie die Bürgerstiftung Norden. Eine zuletzt noch bestehende Finanzierungslücke wurde durch die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers geschlossen, die ihrem Friedensort damit entscheidend hilft.

Die Finanzierungsphase nahm mehrere Jahre in Anspruch und war von äußeren Umständen wie der Corona-Pandemie und weiteren gesellschaftlichen Krisen geprägt. Umso größer ist nun die Freude beim Trägerverein der Dokumentationsstätte über die erfolgreiche Förderzusage. „Die breite Unterstützung aus Politik, Kirchen und Stiftungen unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts“, so Christian Neumann, Superintendent und 1. Vorsitzender des Vereins Gnadenkirche Tidofeld.

Von Beginn an wurde das Vorhaben auch politisch begleitet: Der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff und der Landtagsabgeordnete Matthias Arends unterstützten das Projekt frühzeitig und halfen dabei, den Weg zu möglichen Förderprogrammen zu ebnen. Auch Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs hat sich seit Amtsbeginn sehr für die Erweiterung eingesetzt, was nicht zuletzt bei seinem Besuch 2023 deutlich wurde.

Im Mittelpunkt der geplanten Erweiterung steht eine neue Dauerausstellung. Sie wird die Themen Aufbruch, Ankunft und Integration in den Mittelpunkt stellen und dabei zwei zentrale historische Erfahrungen verbinden: die Geschichte der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Aufnahme der vietnamesischen „Boatpeople“ in Deutschland seit den späten 1970er Jahren. Der Blick richtet sich dabei bewusst auf die Region: Die Ausstellung wird die lokalen Erfahrungen in Ostfriesland als Teil größerer globaler Migrationsbewegungen einordnen. Zugleich soll die Dokumentationsstätte ihre Rolle als Ort der historisch-politischen Bildungsarbeit weiter ausbauen und künftig noch stärker Bildungsangebote für Schulen, Gruppen und die Öffentlichkeit anbieten.

Doch bevor die Bauarbeiten beginnen können, stehen noch mehrere Planungsschritte an. In enger Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege wurde damit begonnen, die baufachliche Prüfung, die denkmalrechtliche Genehmigung und die Baugenehmigung auf den Weg zu bringen. Erst anschließend kann die Maßnahme bewilligt und die Vergabe der Bauleistungen vorbereitet werden. Mit der nun gesicherten Finanzierung kann das Projekt dennoch in die nächste Phase eintreten. Der Trägerverein blickt zuversichtlich auf die kommenden Schritte, um die Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld als Erinnerungs- und Bildungsort weiterzuentwickeln.

 

Christian Neumann, 1. Vorsitzender Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld, 7. April 2026