Norden. Im Mittelpunkt der Sitzung der Kirchenkreissynode am 5. Februar im Gemeindehaus in Hage stand der Ephoralbericht von Superintendent Christian Neumann. Darin gab er einen umfassenden Einblick in die Tätigkeiten und Aufgabenfelder des Kirchenkreises im vergangenen Jahr.
„Es gelingt viel mehr, als wir oft meinen. Trotz aller laufenden oder am Horizont stehenden großen Veränderungen und Verunsicherungen“, leitete Neumann seinen Bericht ein. In seinem Rückblick erinnerte er unter anderem an den festlichen Gottesdienst zum 100-jährigen Jubiläum des Kirchenkreises. Ein weiterer Höhepunkt war die Eröffnung des Jugendhauses in Dornum im Mai, welches in Kooperation mit der Kommune entstanden ist. Seit Dezember hat Kevin de Vries die Leitung des Hauses übernommen. Im Sommer wurde das Jugendhaus für ein Graffiti-Projekt mit dem Jugendförderpreis des Landkreises Aurich ausgezeichnet.
Der Superintendent wies zudem darauf hin, dass der Kirchenkreis digitaler geworden sei. In diesem Zusammenhang nannte er die neu gestaltete Homepage sowie den Instagram-Account, die von der Öffentlichkeitsbeauftragten Marika Cuno betreut werden. Im September, dem „Monat der Diakonie“, hatte das Diakonie-Team um Christina Hoyer-Saad zu einem Stadtspaziergang eingeladen. Interessierte aus den Gemeinden sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft konnten sich dabei über die vielfältigen Angebote der Diakonie informieren. Die Aktion habe deutlich gemacht, „dass wir für unser diakonisches Handeln eine deutlich stärkere Unterstützung seitens der Politik brauchen“, so Neumann. Er erinnerte außerdem an den Umzug der Norder Tafel in neue Räumlichkeiten, der während des laufenden Betriebs erfolgt sei.
Zum Thema Notfallseelsorge betonte der Superintendent, dass es sich um einen von Betroffenen und Einsatzkräften hochgeschätzten und anerkannten Dienst der Kirche handele. Aufgrund der angespannten personellen Lage sei im März beschlossen worden, den Kreis der Mitwirkenden ökumenisch zu erweitern und auch Ehrenamtliche einzubinden. Zusätzliche Unterstützung erfolge durch das neu gegründete „Netzwerk PSNV“ (Psychosoziale Notfallversorgung), dem unter anderem Kräfte von Feuerwehr, DRK und Polizei angehören.
Lobende Worte fand Neumann für das große Engagement beider Sudan-Partnerschaften, die vom Kirchenkreis und der Kirchengemeinde Norderney getragen werden. Aufgrund der aktuellen Lage mit Krieg und Bürgerkrieg seien persönliche Begegnungen derzeit nicht möglich. Im Jahr 2025 seien jedoch Spenden in fünfstelliger Höhe gesammelt worden, die von der Landeskirche zusätzlich mit 37.405 Euro bonifiziert wurden. Es gelinge weiterhin, die Spendengelder vor Ort gezielt einzusetzen.
Mit Blick in die Zukunft sprach der Superintendent gesellschaftliche und kirchliche Herausforderungen wie Individualisierung, Säkularisierung, Traditionsabbruch und Vertrauensverlust an. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers verliere jährlich rund drei Prozent ihrer Mitglieder; bis 2035 müssten daher mindestens 30 Prozent der Ausgaben eingespart werden. Dennoch habe die Kirche einen Auftrag, der nicht beliebig veränderbar sei. Wichtig sei es, vor Ort „Anfänge im Glauben“ zu ermöglichen – insbesondere durch die Stärkung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie durch diakonische und kirchenmusikalisch-kulturelle Angebote, unterstrich der leitende Geistliche. Im Rückgriff auf die Ergebnisse des Impulstages für Kirchenvorstände und Mitarbeitende in den Kirchenvorständen Ende Januar rief Neumann dazu auf, dass die Zusammenarbeit der Gemeinden in „Nachbarschaftsräumen“ jetzt intensiviert werden müsse, damit inhaltliche Schwerpunkte gesetzt werden könnten und Kirche an vielen Orten lebendig bleibe.
Ein weiterer Schwerpunkt der Synode war der Bericht von Karin Rosenberg-Zimmermann aus der Steuerungsgruppe zur Prävention sexualisierter Gewalt. Künftig soll es unterschiedliche Schulungsangebote für „kontaktintensive“ und kontaktarme Mitarbeitende“ geben. Die Synode beschloss ein Modell, das die Verbindlichkeit der für allen Mitarbeitenden zur Pflicht gemachten Präventionsschulungen unterstreicht. Superintendent Neumann betonte, es gehe um Sensibilisierung und darum, dass jeder wisse, an wen er sich wenden könne. Die Kirchenvorstände trügen dabei eine besondere Verantwortung, sichere Räume zu schaffen – eine Einschätzung, die von den Synodalen ausdrücklich unterstützt wurde.
Weitere Tagesordnungspunkte beinhalteten Nachwahlen in den Eine-Welt-Ausschuss sowie Änderungen der Finanzsatzung, der Geschäftsordnung und des Stellenrahmenplans. Die nächste Sitzung der Kirchenkreissynode findet am 18. Juni in Marienhafe statt.
Zum Hintergrund:
Die Kirchenkreissynode ist das leitende Parlament des Kirchenkreises Norden in dem rund 65 Delegierte aus Gemeinden und Einrichtungen drei- bis viermal jährlich zur Beratung und Beschlussfassung zusammenkommen. Die Kirchenkreissynode leitet das Präsidium mit dem Vorsitzenden, Theo Weber.