Impulstag

Nachricht Norden, 24. Januar 2026

Wie sieht die Kirche der Zukunft aus?

Norden. Am Samstag, den 24.01.2026, hatte der Kirchenkreis Norden die Kirchenvorstände aller Gemeinden sowie die Mitarbeitenden in den Kirchenvorständen eingeladen zu einem Impulstag unter der Überschrift: „Kirche der Zukunft - Auf dem Weg in eine regiolokale Kirche“. Vorbereitet worden war der Tag vom Synodalausschuss für Gemeindeaufbau und Mission. 

Den Auftakt machte bereits am Freitagabend Pastor Dr. Fabian Vogt mit einem Musikkabarett in der Aula der Conerus-Schule. In seinem Programm „Sundays for Future!“ präsentierte der Verbalakrobat von „Duo Camillo“ Musikkabarett vom Feinsten Mit verheißungsvollen Liedern und Texten warf er einen frechen Blick in die Zukunft - und das voller Leidenschaft! 

Am Samstag begann der Impulstag mit einem Gottesdienst in der Mennonitenkirche, in welchem Pastor Vogt eine überaus ansprechende und sehr dynamische Predigt hielt. Ausgehend von der Metapher „Biene und Fliege“ - die Fliege sieht vor allem Fehler, Defizite und „Müll“, während die Biene nach Stärken, Fortschritt und Lösungen sucht - stellte er die Frage, welchem Tier die Gottesdienstbesucher sich selbst eher zuordnen würden.  Anders gesagt, mit welchem Blick sie auf die zukünftigen Herausforderungen ihrer Gemeinden und des Kirchenkreises schauen würden. Darauf aufbauend bezog er sich auf ein Wort des Apostels Paulus: „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise etliche rette.“ (1. Korinther 9,22)

Mit welcher Intention begegnen wir den Menschen, die nicht zu unseren Gemeinden gehören.? Schauen wir auf sie, auf ihre Anliegen, Wünsche und Hoffnungen, oder erwarten wir, dass sie sich möglichst unauffällig in unser System einfügen? Wie vielfältig christlicher Glaube sein kann, wurde einmal mehr in der musikalischen Begleitung des Gottesdienstes deutlich. Kreiskantor Thiemo Janssen begleitete in virtuoser Weise die traditionellen Choräle an der Orgel, während die Band der Kirchengemeinde Berumerfehn moderne Lobpreislieder zum Mitsingen oder Zuhören anstimmte. 

Den weiteren Tag verbrachten alle Teilnehmenden im Norder Ulrichsgymnasium, wo Prof. em. Dr. Michael Herbst zunächst einen spannenden Vortrag zum Thema „Kirche blüht auf“ hielt. Anhand von fünf Thesen verdeutlichte er die Entwicklung der Kirche in Deutschland von einer Volkskirche hin zu einer „Kirche der Wenigen“. Ein Zurück in die alten stabil volkskirchlichen Verhältnisse werde es nicht geben, sagte Herbst. Dazu zitierte er Jan Loffeld, der von „Apatheismus“ spricht. „Die Menschen haben nicht einmal mehr die Fragen, die der Glaube beantworten soll. Sie haben sie nicht mehr, weil sie sich diese Fragen nicht mehr stellen oder weil sie an anderer Stelle ausreichend beantwortet zu sein scheinen. Um dieser Situation angemessen zu begegnen, wirbt Herbst für den Ansatz einer Regiolokalen Kirchenentwicklung, den Versuch, selbsttätige lokale Glaubensgemeinschaften in regionaler Vernetzung und Assistenz zu etablieren. „Wer zu uns gehört, wird es tun, weil er es will und so entschieden hat.“ 

Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer schloss sich den Ausführungen ihres Vorredners an. Die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers habe in einem Jahren 68.500 Mitglieder verloren, das sei die Größe zweier Kirchenkreise. Besonders die junge Generation verlasse die Kirche und folge eher christlichen Influencern, welche häufig von einem sehr konservativen Background geprägt seien, was sie für bedenklich halte. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist Gott.“, betonte Schiermeyer. Dies sei aber keine Bestandsgarantie für eine lokale Kirche. Zugleich machte sie den anwesenden Kirchenvorständen und Mitarbeitenden in den Kirchenvorständen Mut, indem sie sagte: „Die jetzige Krise erlaubt uns Freiräume zum Probieren und auch zum Scheitern. Es wird entscheidend sein, wie wir den Menschen begegnen. Wir können die Menschen nur berühren, wenn sie uns ansehen, was es heißt zu hoffen, zu vertrauen, gesegnet zu sein.“ Die Regionalbischöfin schloss mit einem stärkenden und hoffnungsvollen Wort des Propheten Jesaja: „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen waren die Kirchenvorstände eingeladen, an Workshops teilzunehmen unter den Fragestellungen: „Welches Bild von Kirche habe ich?“ – „Wie können wir Menschen mit dem Evangelium erreichen?“ – „Region – Zauberwort oder Reizwort“ und „Gemeinden zeigen Profil (Musik, Diakonie, Glaubenskurse)“. Der Impulstag endete mit Worten des Dankes von Superintendent Christian Neumann an alle Vorbereitenden und Mitwirkenden sowie mit Gebet und Segen. 

Foto: v.l.n.r. Prof. em. Dr. Michael Herbst, Superintendent Christian Neumann, Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer, Pastor Dr. Fabian Vogt, Pastor Stefan Schneider (Vorsitzender des Synodalausschusses für Gemeindeaufbau und Mission)

KK Norden