Menschen in schweren Stunden nicht allein lassen
Der Kirchenkreis Norden erweitert das ehrenamtliche Team der Notfallseelsorge. Am 1. Juli 2026 wurden Carina Geiken und Miriam Fischer als ehrenamtliche Notfallseelsorgerinnen beauftragt. Mit ihrer Beauftragung wächst das Team weiter. So soll dieser wichtige Dienst langfristig gestärkt und auf weitere Schultern verteilt werden.
Die Notfallseelsorge ist da, wenn Menschen nach einem plötzlichen Todesfall, einem schweren Unfall oder einem anderen belastenden Ereignis Beistand brauchen. Sie begleitet Betroffene und Angehörige in den ersten Stunden, wenn das Leben von einem Moment auf den anderen aus den Fugen gerät. In solchen Situationen geht es oft nicht darum, die richtigen Worte zu finden. Viel wichtiger ist es, dass jemand da ist, zuhört und den ersten schweren Moment mit aushält.
Die Notfallseelsorge wird im Landkreis Aurich von den Kirchen getragen. Im Kirchenkreis Norden und im Kirchenkreis Aurich liegt die Verantwortung bei den evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen. In der Krummhörn übernehmen zwei Notfallseelsorgende der Evangelisch-reformierten Kirche diese Aufgabe. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Menschen im gesamten Landkreis in außergewöhnlichen Belastungssituationen seelsorglichen Beistand erhalten können.
Zum Netzwerk gehört auch die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV). Die Teams der PSNV begleiten je nach Einsatzlage Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte nach besonders belastenden Ereignissen. Notfallseelsorge und PSNV arbeiten dabei eng zusammen und ergänzen sich.
Die Notfallseelsorge wird zwar von der Kirche getragen, richtet sich aber an alle Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, Religion oder Weltanschauung. Im Mittelpunkt steht nicht die Verkündigung, sondern der Mensch. Die Notfallseelsorgenden begegnen den Betroffenen mit Offenheit, Respekt und Zeit. Sie hören zu, halten Belastendes gemeinsam mit ihnen aus und geben Halt, wo Worte oft fehlen.
Im Kirchenkreis Norden wird die Notfallseelsorge überwiegend von den hauptamtlichen Pastorinnen und Pastoren getragen. Bereits seit einiger Zeit engagieren sich außerdem zwei Notfallseelsorgende aus dem katholischen Bereich in diesem Dienst. Eine von ihnen ist Claudia Stawicki. Sie bringt langjährige Erfahrung aus ihrer bisherigen Tätigkeit in der Notfallseelsorge mit und übernimmt künftig die Begleitung der ehrenamtlichen Notfallseelsorgenden. Mit Carina Geiken und Miriam Fischer wird das Team nun weiter verstärkt. Beide haben ihre Ausbildung für die Notfallseelsorge in Hermannsburg erfolgreich abgeschlossen und stehen künftig gemeinsam mit den haupt- und ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen für Einsätze bereit.
Für Carina Geiken ist ihr Engagement eine Herzensangelegenheit: „Ich habe selbst erlebt, wie es ist, wenn man in einer schweren Situation keine Hilfe bekommt. Das möchte ich anderen ersparen.“
Miriam Fischer war auf der Suche nach einer Aufgabe, bei der sie ihre Erfahrungen und Fähigkeiten sinnvoll einsetzen kann. Gleichzeitig schätzt sie die Möglichkeit, den Dienst gut mit ihrem Alltag zu verbinden. Die Einsatzbereitschaften werden über einen Dienstplan organisiert. Die ehrenamtlichen Notfallseelsorgenden tragen sich entsprechend ihrer zeitlichen Möglichkeiten für Tag- oder Nachtdienste ein, die jeweils zwölf Stunden umfassen. So lässt sich das Ehrenamt flexibel mit Beruf, Familie und persönlichen Verpflichtungen vereinbaren.
Der Ausbau des ehrenamtlichen Teams steht noch am Anfang. Deshalb sucht der Kirchenkreis Norden weitere Menschen, die sich vorstellen können, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Alle Ehrenamtlichen werden sorgfältig ausgebildet und während ihres Dienstes begleitet. Zu Beginn begleiten sie erfahrene Notfallseelsorgende bei Einsätzen, bevor sie selbst Verantwortung übernehmen. Auch danach stehen feste Ansprechpartner sowie Beratung und Supervision zur Verfügung.
„In der Notfallseelsorge geht es nicht darum, immer die richtigen Worte zu finden. Oft ist das Wichtigste, überhaupt da zu sein, zuzuhören und einem Menschen das Gefühl zu geben, in seiner Not nicht allein zu sein“, sagt Andrea Janssen-Zimmermann, Beauftragte des Kirchenkreises Norden für Notfallseelsorge sowie Zivil- und Katastrophenschutz.
Claudia Stawicki bringt aus ihrer bisherigen Tätigkeit langjährige Erfahrung in der Begleitung ehrenamtlicher Notfallseelsorgender mit. Dort hat sie bereits ein tragfähiges Netzwerk ehrenamtlicher Notfallseelsorgender aufgebaut und begleitet. Diese Erfahrungen möchte sie nun im Kirchenkreis Norden einbringen.
„Die Notfallseelsorge ist ein besonderes Ehrenamt. Niemand muss dabei alles von Anfang an können. Unsere Ehrenamtlichen werden sorgfältig vorbereitet und begleiten zunächst erfahrene Notfallseelsorgende bei Einsätzen, bevor sie selbst Verantwortung übernehmen. Auch danach bleiben sie nicht allein. Regelmäßiger Austausch, Beratung und Supervision gehören selbstverständlich dazu. Uns ist wichtig, dass niemand mit seinen Erfahrungen allein bleibt“, sagt Claudia Stawicki.
Wer die Arbeit der Notfallseelsorge näher kennenlernen möchte, hat dazu auch bei den Norddeicher Feuerwehrtagen Gelegenheit. Vom 24. bis 26. Juli 2026 sind die Notfallseelsorge und die Teams der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) mit einem gemeinsamen Informationsstand vertreten. Dort besteht die Möglichkeit, mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und mehr über die Aufgaben der Notfallseelsorge sowie die Mitarbeit im Ehrenamt zu erfahren.
Wer sich für die Mitarbeit in der Notfallseelsorge interessiert oder sich zunächst unverbindlich informieren möchte, kann sich an Claudia Stawicki (Telefon: 01520 3875556), zuständig für die Begleitung der ehrenamtlichen Notfallseelsorgenden, oder an Andrea Janssen-Zimmermann (Telefon: 0151 47052485, E-Mail: andrea.janssen-zimmermann@evlka.de), Beauftragte des Kirchenkreises Norden für Notfallseelsorge sowie Zivil- und Katastrophenschutz, wenden.
Foto: Kirchenkreis Norden
Freuen sich über den Ausbau der ehrenamtlichen Notfallseelsorge im Kirchenkreis Norden (von links): Superintendent Christian Neumann, Claudia Stawicki, Carina Geiken, Miriam Fischer und Andrea Janssen-Zimmermann.
Beauftragte für Notfallseelsorge, Pastorin Andrea Janssen-Zimmermann